
STARLINK
9. Februar 2023, 15:01
, 817 Postings
Elon Musk nannte in der Vergangenheit die ungeklärte Finanzierung von
Starlink als Grund für Ausfälle in der Ukraine.
Foto: STEVE NESIUS, Reuters
Space X will die ukrainischen Streitkräfte offenbar daran hindern, den
Starlink-Satelliteninternetdienst zur Steuerung von Drohnen zu nutzen,
wie einer Aussage der Geschäftsführerin und Präsidentin von Space X am
Mittwoch zu entnehmen war.
Der Starlink-Satelliteninternetdienst von Space X ist ein enormer
Vorteil für die Ukraine, schließlich wird damit das Militär bei der
Verteidigung gegen den russischen Angriff mit Breitbandkommunikation
versorgt. Aber: Dieser war "nie dazu gedacht, als Waffe eingesetzt zu
werden", sagte CEO Gwynne Shotwell während einer Konferenz in
Washington, D.C. "Die Ukrainer haben ihn jedoch auf eine Art und Weise
genutzt, die unbeabsichtigt und nicht Teil einer Vereinbarung war."
In einem späteren Gespräch mit Reportern bezog sich Shotwell auf
Berichte, wonach das ukrainische Militär den Starlink-Dienst zur
Steuerung von Drohnen genutzt habe. Die Ukraine hat unbemannte
Fluggeräte effektiv eingesetzt, um feindliche Stellungen ausfindig zu
machen, Artilleriebeschuss auf große Entfernungen zu richten und Bomben
abzuwerfen.
Starlink nur für zivile Zwecke
"Es gibt Dinge, die wir tun können, um diese Möglichkeiten
einzuschränken", sagte Shotwell, ohne weiter auszuführen, wie genau die
Nutzung von Starlink für die ukrainischen Verteidiger eingeschränkt
würde. Der Einsatz von Starlink sei für humanitäre Zwecke gedacht, etwa
um Krankenhäuser, Banken und Flüchtlingsfamilien mit Breitband-Internet
zu versorgen.
Man wisse zwar, dass auch das ukrainische Militär Starlink nutze, aber
es sei nie die Absicht gewesen den Satellitendienst für
Offensivoperationen einzusetzen. Space X ließ zu Beginn der russischen
Invasion Lkw-Ladungen voller Starlink-Terminals in die Ukraine liefern.
Kaum wird der Empfänger eingesteckt, verbindet er sich mit den rund
4.000 Starlink-Satelliten in der Erdumlaufbahn und sorgt für
unterbrechungsfreie Internetkommunikation.
Die Vereinigten Staaten und Frankreich haben zusätzlich zu den von Space
X finanzierten Starlink-Terminals weitere Lieferungen bezahlt. Russland
hat immer wieder versucht, die Starlink-Signale in den umkämpften
Regionen zu stören. Laut dem Vorstandsvorsitzenden Elon Musk sei diese
Störversuche aber nicht gelungen.
Der plötzliche Sinneswandel bei Space X kam jedenfalls überraschend. Ob
es nicht absehbar gewesen sei, dass die Terminals offensiv eingesetzt
würden, sobald sie in das Konfliktgebiet geschickt werden? "Wir haben
nicht darüber nachgedacht. Ich habe nicht darüber nachgedacht. Unser
Starlink-Team vielleicht schon, ich weiß es nicht. Aber wir haben
ziemlich schnell gelernt."
Widersprüchliche Aussagen
Starlink hatte Ende letzten Jahres Ausfälle in der Ukraine zu
verzeichnen. Auf die Frage, ob diese absichtlich geschehen seien, um die
Offensivoperationen der Ukraine einzuschränken, sagte Shotwell: "Ich
möchte darauf nicht antworten, weil ich mir nicht sicher bin, ob ich die
Antwort kenne." Das steht im Widerspruch zu den Aussagen von Elon Musk.
Als Ende Oktober in der Ukraine rund 1.300 Starlink-Empfangsgeräte
abgeschaltet wurden, erklärte der Vorstandsvorsitzende, dass die Ukraine
für Starlink zahlen müsse.
Laut Musk sind in der Ukraine etwa 25.000 Basisterminals im Einsatz, die
monatlich 20 Millionen Dollar kosten würden – eine Zahl, bei der der
Milliardär auch Faktoren wie die Wartungs- und Entwicklungskosten der
Satelliten und die Abwehr von Cyberangriffen einberechnet; Kosten also,
die auch bestünden, wenn die Ukraine nicht unter den Abnehmern wäre.
Am Donnerstag kam Kritik an der Darstellung von Space X von offizieller
ukrainischer Seite. Mykhailo Podolyak aus dem Beraterstab von Präsident
Wolodymyr Selenskyj, schrieb auf Twitter Shotwell und Space X sollten
sich entscheiden, auf welcher Seite sie in dem Konflikt stehen.
A year of 🇺🇦 resistance & companies have to decide:
-Either they are on the side of 🇺🇦 & the right to freedom, and don’t
seek ways to do harm.
-Or they are on RF’s side & its "right" to kill & seize
territories.#SpaceX (Starlink) & Mrs. #Shotwell should choose a specific
option
— Михайло Подоляк (@Podolyak_M) February 9, 2023
In einem anderen Geschäftsbereich ist man bei Space X offensiven
Operationen gegenüber weniger abgeneigt, denn es wird bereits an einer
militärischen Variante von Starlink namens Starshield gearbeitet. Diese
soll bessere Verschlüsselungtechnologie bieten und auch ohne direkte
Verbindung zum Boden funktionieren können.
Bereits zuvor wurde immer wieder von Ausfällen bei Starlink-Terminals
berichtet, die Musk stets mit fehlender Finanzierung begründete – nur um
dann Starlink doch wieder einzuschalten. Davor hatte Musk seinen eigenen
Friedensplan für die Ukraine ausgearbeitet und die Twitter-User darüber
abstimmen lassen, was für internationale Irritationen sorgte. (pez,
9.2.2023)
Nachlese
Satelliteninternet: 1.300 Starlink-Terminals in der Ukraine abgeschaltet
Musk soll seinen umstrittenen Friedensplan im Vorfeld mit Putin
besprochen haben
Der Artikel wurde 9.2.2023 um 15 Uhr um ein Statement von
Präsidentenberater Mykhailo Podolyak ergänzt.
https://www.derstandard.de/story/2000143367193/space-x-sperrt-starlink-dienste-fuer-ukrainische-drohnen-und-verstrickt