Satelliteninternet: Hacker knackt erstmals Starklink-Terminal
Satelliteninternet: Hacker knackt erstmals Starklink-Terminal
Mit Modchip um 30 Euro lässt sich modfizierte Firmware aufspielen.
Bastler könnten darüber unter anderem direkt mit den Satelliten
kommunizieren
Der Modchip im installierten Zustand.
Foto: Lennert Wouters
Eines betonte Las Vegas Lennert Wouters bei seinem Vortrag auf der
Sicherheitskonferenz Black Hat besonders: An sich sind die für den
Zugang zum Satelliteninternet Starlink genutzten Terminals hervorragend
geschützt. Mit etwas Bastelarbeit ist dem an der belgischen KU Leuven
forschenden Sicherheitsexperten aber trotzdem gelungen, die Hardware zu
knacken.
Modchip
Ein von Wouters selbst entwickelter Modchip erlaubt es diverse
Sicherheitsfunktionen der Starlink Terminals auszuhebeln. Das ermöglicht
es wiederum eine modifizierte Firmware aufzuspielen, bei der die Nutzer
Root-Rechte haben – also uneingeschränkten Zugriff auf die Software.
Darüber könnten Bastler in weiterer Folge das Backend des
Satelliteninternetsystems analysieren oder gar direkt mit einzelnen
Satelliten kommunizieren, streicht der Sicherheitsforscher die
Möglichkeiten heraus.
Foto: Lennert Wouters
Die Entwicklung des Modchips hat laut Wouters mehr als ein Jahr in
Anspruch genommen. Der Grund dafür: Bei der Analyse der Software hat der
Forscher keine offensichtlichen Lücken gefunden. Das Linux-System sei
über eine Secure-Boot-Kette gut abgesichert, mithilfe von SHA256 und
RSA2048 wird auch sichergestellt, dass die Software auf keine Weise
manipuliert wurde.
Hardwareanalyse
Ebenfalls nicht sonderlich hilfreich war, dass es keinerlei
Informationen zum verwendeten SoC – also dem "System on a Chip", das für
alle Rechenaufgaben zuständig ist – gab. Erfolgreich war Wouters
schlussendlich über eine ausführliche Analyse des Bootvorgangs per
Logikanalysator. Auf diesem Weg fand er heraus, dass ein absichtlich
verursachter Kurzschluss zur rechten Zeit dazu führt, dass das
Zertifikat für die zweite Stufe des Bootloaders nicht geprüft wird – und
somit modifizierte Software geladen werden kann.
Ein Vorteil dieser aufwendigen Lösung: Laut Wouters könne der zur
Weltraumfirma SpaceX gehörige Hersteller wenig dagegen unternehmen, es
handle sich um einen Fehler im SoC selbst. Zwar hat das Unternehmen
versucht, sich gegen den Angriff zu wappnen, doch auch das konnte der
Sicherheitsforscher umgehen. Eine echte Fehlerbereinigung könnte nur
neue Hardware bringen. Der grundlegende Bug zeige sich jedenfalls bei
allen bisher verkauften Generationen an Starlink-Terminals – oder eben
genauer: dessen SoC.
Billig aber nichts für schwache Nerven
Die Kosten für so einen Modchip sind dabei überschaubar, Wouters
beziffert sie auf weniger als 30 Euro. Trotzdem ist dies natürlich
nichts für die breite Masse. Für bastelwillige User hat der Forscher
Design und Code auf Github veröffentlicht. (apo, 14.8.2022)
zur Startseite
https://www.derstandard.de/story/2000138272874/satelliteninternet-hacker-knackt-erstmals-starklink-terminal
Anmerkung:
Ob diese Schwachstellen den Nachrichtendiensten bekannt sind,
darf angenommen werde.
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