
Kauf bei Micron verboten
China holt zum Angriff gegen US-Halbleiterkonzern aus
WIRTSCHAFT
Von Juliane Kipper
22.05.2023, 15:54 Uhr
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Micron ist der größte Hersteller von Speicherchips in den USA. Der Konzern
aus Idaho erwirtschaftet bisher etwa elf Prozent seines Umsatzes in China.
(Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com)
China verbietet seinen großen Unternehmen, Chips beim US-Hersteller Micron
Technology zu kaufen. Selbst wenn der Konzern die Entscheidung einigermaßen
wegstecken könnte, sendet das Verbot laut Expertin Hmaidi ein Warnsignal an
alle westlichen Anbieter.
Es ist die erste folgenschwere Maßnahme gegen einen amerikanischen
Halbleiterkonzern: Peking verbietet großen chinesischen Unternehmen den Kauf
beim US-Konzern Micron Technology. Die chinesische Cyberspace-Verwaltung CAC
teilte mit, dass ihre Überprüfung der Micron-Produkte "erhebliche
Sicherheitsrisiken" ergeben habe. Die Behörde warnte die Betreiber wichtiger
chinesischer Informationsinfrastrukturen daraufhin vor dem Kauf der Produkte
des Unternehmens. Darunter fallen etwa Telekommunikationsunternehmen und
staatliche Banken. Auch der E-Commerce-Riese Alibaba ist ein Abnehmer der
wichtigen Speicherchips.
"Die Einschätzung der CAC ist sehr deutlich politisch motiviert und könnte
schon bestehende Trends im Chip-Konflikt weiter beschleunigen", sagt Antonia
Hmaidi, Analystin beim Mercator Institut für Chinastudien, ntv.de. Zwar sei
das Ergebnis der Überprüfung "keine große Überraschung". Ihrer Einschätzung
nach könnte die Entscheidung westlichen Anbietern aber das Signal senden:
Der chinesische Markt und chinesische Umsätze sind nicht sicher - selbst
wenn sich Unternehmen an die amerikanischen Exportbeschränkungen halten.
Micron ist offensichtliches Ziel für Peking
Micron ist der größte Hersteller von Speicherchips in den USA. Der Konzern
aus Idaho erwirtschaftet laut Hmaidi bisher etwa elf Prozent seines Umsatzes
in China. Analysten sehen in Micron ein offensichtliches Ziel für Peking, da
die Technologie des US-Konzerns leicht durch Chips der südkoreanischen
Rivalen Samsung und Sk Hynix ersetzt werden könnten. Hmaidi hält es darüber
hinaus für möglich, dass sich auch chinesische Firmen, die gar keine
kritische Informationsinfrastruktur bereitstellen, jetzt gegen Micron
entscheiden könnten.
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Vor dem Hintergrund, dass Micron mit der japanischen Regierung ein
15-Milliarden-Dollar schweres Abkommen geschlossen hat, könnte das Verbot
für das US-Unternehmen allerdings etwas weniger schwer wiegen. "Der Verlust
des chinesischen Marktes könnte für Micron durch neue Märkte kompensiert
werden, wenn andere alliierte Staaten das Unternehmen dafür mehr
unterstützen", sagt Hmaidi.
Der US-Halbleiterhersteller teilte mit, über die Prüfung informiert worden
zu sein. Das Unternehmen werde das Gespräch mit der zuständigen Behörde
suchen. "Wir werten die Schlussfolgerung aus und überlegen, wie wir weiter
vorgehen", teilte der Konzern mit. Außerdem freue sich das Unternehmen
darauf, "weiterhin mit den chinesischen Behörden zu diskutieren."
Verhandlungen zwischen Micron und den Behörden schätzt Hmaidi dabei nicht
als besonders erfolgversprechend ein. "Gespräche zwischen der chinesischen
und der amerikanischen Regierung würden deutlich wahrscheinlicher zum Erfolg
führen." Darüber hinaus hält sie eine Umkehr der Entscheidung für sehr
unwahrscheinlich.
"Maßnahme steht im Widerspruch zu Beteuerungen"
Das chinesische Verbot kommt knapp zwei Monate, nachdem Peking eine
Untersuchung der Importe von Micron angekündigt hatte. Sie gilt als
Vergeltungsmaßnahme für die Bemühungen der USA, Chinas Zugang zu
Schlüsseltechnologien zu beschränken. Erst im Oktober vergangenen Jahres
hatte Washington weitreichende Exportkontrollen für Chips eingeführt.
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Die Einschätzung der CAC unterstreicht die angespannten Beziehungen zwischen
Peking und Washington. Das US-Handelsministerium erklärte, es lehne die
Maßnahmen entschieden ab. "Diese Maßnahme sowie die jüngsten Angriffe auf
andere amerikanische Unternehmen stehen im Widerspruch zu den Beteuerungen
der VR China, ihre Märkte zu öffnen und sich für einen transparenten
Rechtsrahmen einzusetzen", so das Handelsministerium.
Die G7-Staats- und Regierungschefs hatten zuvor während des jährlichen
Treffens ihre Bereitschaft zu einer "konstruktiven und stabilen Beziehung"
zu China betont. Gleichzeitig zählten sie die Volksrepublik aber wegen ihrer
Menschenrechtslage, einer "nicht marktkonformen" Wirtschaftspolitik und der
angespannten Situation im Ost- und Südchinesischen Meer an.
Quelle: ntv.de
https://www.n-tv.de/wirtschaft/China-holt-zum-Angriff-gegen-US-Halbleiterkonzern-aus-article24138784.html