
Identitätsdiebstahl: Sicherheitsforscher warnen vor grundlegender
Lücke in LTE-Netzen
Angreifer könnten sich als andere Personen ausgeben, und in deren Namen
auftreten – Allerdings hoher Aufwand notwendig
Identitätsdiebstahl: Sicherheitsforscher
warnen vor grundlegender Lücke in LTE-Netzen
Angreifer könnten sich als andere Personen
ausgeben, und in deren Namen auftreten – Allerdings hoher Aufwand
notwendig
21. Februar 2020, 09:11
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Ein Mobilfunkmast.
Foto: APA/HANS PUNZ
Wenn ein einzelner Mobilfunkanbieter bei der
Implementation seiner Netze patzt, ist das eine ziemlich unerfreuliche
Angelegenheit. Noch unerfreulicher ist aber, wenn Forscher grundlegende
Defizite in den dahinterstehenden Standards entdecken. Nun ist es wieder
einmal so weit.
IMP4GT
Sicherheitsforscher der Ruhr Universität
Bochum warnen vor einer Lücke im LTE-Standard, die für Angriff gegen
einzelne Nutzer eingesetzt werden könnte. Der für die Lücke gewählte
Name "Impersonation Attacks in 4G Networks" (IMP4GT) verrät bereits,
worum es geht: Ein Angreifer könnte sich als ein anderer User im
LTE-Netz ausgeben, und so unter dessen Identität allerlei Unfug treiben.
Als konkrete Beispiele verweisen die Forscher etwa auf die Möglichkeit,
beim Provider Abos im Namen anderer abzuschließen oder auch unter
falscher Identität gefälschte Dokumente anderen unterzujubeln – etwa um
Beweise zu fälschen oder anderen Nutzern Straftaten anzuhängen.
Dass dies möglich ist, liegt an einem
grundlegenden Defizit der LTE-Netze. So fehle hier ein effektiver
Schutz, um die Integrität der Daten sicherzustellen, betonen die
Forscher. Dadurch sei es sowohl möglich, beliebige Datenpakete
einzuschmuggeln, die dann mit der IP-Adresse der Zielperson verschickt
werden als auch deren Kommunikation mitzulesen. Bei letzterem wird auch
die Verschlüsselung der Pakete ausgehebelt, wobei betont werden muss,
dass es nur um die Verschlüsselung des Netzwerks selbst geht. Auf
User-Ebene hinzugefügte Schutzfunktionen, wie die
Ende-zu-Ende-Verschlüsselung vieler aktueller Messenger lässt sich damit
natürlich nicht entfernen.
Einschätzung
So unerfreulich diese Sicherheitsdefizite
fraglos sind, betonen die Sicherheitsforscher doch, dass es keinen Grund
zur Panik gebe. Ein solcher Angriff setze nicht nur ein hohes
technisches Wissen sowie spezialisierte Hardware voraus, er müsse auch
in direkter physischer Näher zur Zielperson durchgeführt werden. Zudem
seien die eigenen Tests bisher nur im Labor erfolgreich gewesen,
insofern müsste die Attacke für den Praxiseinsatz noch weiter verfeinert
werden.
Für massenhafte Attacken ist dieser
Angriffsvektor also unbrauchbar. Anders sieht es hingegen in Hinblick
auf gezielte Attacken aus. Für Geheimdienste oder Kriminelle könnte
IMP4GT also sehr wohl neue Möglichkeiten eröffnen. (apo, 21.02.2020)
Link
"Impersonation Attacks in 4G Networks"
(IMP4GT)
https://www.derstandard.at/story/2000114840745/identitaetsdiebstahl-sicherheitsforscher-warnen-vor-grundlegender-luecke-in-lte-netzen