Merkels Handy wird "nicht mehr" überwachtUSA wollen auf
Industriespionage verzichten
Nach der massiven Kritik an ihren Abhöraktionen sind die USA offenbar
bereit, ein Anti-Spionage-Abkomme mit Deutschland zu schließen. Dabei
kommen die Amerikaner der Bundesregierung etwas entgegen - legen sich
aber noch nicht abschließend fest.
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02.11.13 – 01:30 min MediathekBND an Abhör-Allianz beteiligtFrage um
Snowdens Asyl beschäftigt Bundesregierung
Die USA sind offenbar bereit, auf Industriespionage in Deutschland zu
verzichten. Dem "Spiegel" zufolge soll eine entsprechende Formulierung
Teil eines Abkommens werden, das beide Regierungen schließen wollen. Die
Bundesregierung dringe in den Verhandlungen zudem darauf, dass die
US-Geheimdienste nicht mehr ohne Erlaubnis technische Aufklärung auf
deutschem Boden betrieben, berichtete das Magazin weiter.
Dazu habe sich die Sicherheitsberaterin des US-Präsidenten, Susan Rice,
aber nicht abschließend geäußert, hieß es. Das gelte auch für den Wunsch
der Deutschen geäußert, im Vertrag auf die Überwachung des jeweiligen
Regierungschefs zu verzichten. Eine hochrangige deutsche Delegation
hatte in Washington über eine Vereinbarung auf gegenseitigen
Spionageverzicht verhandelt
Abkommen in Reichweite
Dabei soll der Direktor des US-Geheimdiensts NSA, Keith Alexander,
eingeräumt haben, dass das Handy von Bundeskanzlerin Angela Merkel
überwacht wurde. Bei einem Treffen im Büro der demokratischen Senatorin
Dianne Feinstein, an dem auch der EU-Parlamentarier Elmar Brok teilnahm,
soll Alexander auf Feinsteins Frage, ob Merkel abgehört werde,
geantwortet haben: "Nicht mehr", berichtet das Magazin unter Berufung
auf Teilnehmer des Treffens.
Nach Angaben der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" und der
"Rheinischen Post" könnte das sogenannte No-Spy-Abkommen bis zum
Jahreswechsel in Grundzügen stehen. Demnach habe die US-Regierung der
deutschen Delegation eine entsprechende Zusage gemacht.
Nach
Information der "Welt am Sonntag" hatte das
Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) Politiker
bereits vor drei Jahren intensiv vor einer Abhör-Gefahr gewarnt. Sie
sollten deshalb nur speziell gesicherte Handys benutzen. "Andere
Smartphones sind für die Regierungskommunikation aus Sicherheitsgründen
nicht geeignet und dürfen in den Regierungsnetzen nicht eingesetzt
werden", wird das BSI zitiert. Die marktüblichen Mobilfunkgeräte seien
"in besonderem Maße abhörgefährdet".
Auch die Beauftragte der Regierung für
die Informationstechnik, Cornelia Rogall-Grothe, versuchte laut
demzufolge mehrfach vergeblich, das Bundeskabinett für die
Sicherheitsbelange bei der mobilen Kommunikation zu sensibilisieren. Das
Thema sei immer wieder von der Themenliste für die Kabinettssitzungen
abgesetzt worden.
Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich fordert nun eine gesetzliche
Regelung, um die Sicherheit der digitalen Netze in Deutschland zu
erhöhen. "Die Internetanbieter sollen künftig in einem
IT-Sicherheitsgesetz verpflichtet werden, den Datenverkehr in Europa
ausschließlich über europäische Netze zu leiten", sagte der
CSU-Politiker der "Welt am Sonntag". Damit solle es den Geheimdiensten
erschwert werden, Kommunikation abzufangen. Friedrich sagte weiter, er
wolle erreichen, dass das IT-Sicherheitsgesetz in den Koalitionsvertrag
aufgenommen werde. Es solle bereits am Mittwoch Gegenstand der
Koalitionsverhandlungen sein.
Kein Mittel gegen Spionage aus Botschaften
Das Bundesamt für Verfassungsschutz
sieht nach eigenen Angaben keine
Möglichkeiten, gegen Lauschangriffe aus diplomatischen Vertretungen
vorzugehen. "Das Abhören aus den Botschaften und anderen Gebäuden heraus
kann die Spionageabwehr nicht verhindern", sagte Abteilungsleiter
Burkhard Even der "Welt am Sonntag". Ob und zu welchem Zweck Technik in
Botschaftsgebäuden genutzt werde, sei praktisch nicht feststellbar.
Zudem hätten die meisten ausländischen Agenten in Berlin einen
Diplomatenstatus, sagte Even. "Sie sind für die deutschen
Strafverfolgungsbehörden nicht fassbar." Nach Erkenntnissen seiner
Behörde halten sich in der Bundeshauptstadt viele Spione auf. "Berlin
ist die europäische Hauptstadt der Agenten", sagte
Verfassungsschutz-Präsident Hans-Georg Maaßen.
Hintergrund sind Medienberichte, wonach US-Geheimdienste aus der
amerikanischen Botschaft am Brandenburger Tor das Regierungsviertel
ausspähen. Der "WamS" zufolge geht beim Verfassungsschutz eine
Arbeitsgruppe diesem Verdacht nach. Dabei gehe es auch um britische und
französische Geheimdienste. Ergebnisse lägen noch nicht vor. Die
diplomatischen Vertretungen Großbritanniens und Frankreichs liegen
ebenfalls am Brandenburger Tor nur wenige Meter von der US-Botschaft
entfernt.
Steimeier spricht von schwerer Krise
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zoffen sich wegen Snowden
Unterdessen sieht der SPD-Fraktionsvorsitzende Frank-Walter Steinmeier
das deutsch-amerikanische Verhältnis in der schwersten Krise seit dem
Irak-Krieg vor zehn Jahren. "Die kommenden Monate werden schwer, sehr
schwer sogar! Viel ist zu klären. Und das wird uns auf beiden Seiten
viel abverlangen", sagte der frühere Kanzleramtsminister und
Außenamtschef der "Bild am Sonntag". "Solche Zeiten habe ich nach
Gerhard Schröders Nein zum Irak-Krieg 2003 erlebt."
Zugleich rief Steinmeier beide Seiten zur Vernunft auf: "Ich plädiere
dafür, das Gemeinsame nicht aus dem Blick zu verlieren und gemeinsame
Zukunft nicht im kurzsichtigen Blick auf die aktuellen Konflikte über
Bord zu werden."
Quelle: n-tv.de , jga/AFP/rts/dpa
http://www.n-tv.de/politik/USA-wollen-auf-Industriespionage-verzichten-article11656086htmll